Ich mag das ja, wenn mein Nachbar am Freitagmorgen um kurz vor 7 damit anfängt, direkt auf der anderen Seite der Wand, an der ich schlafe, den Putz abzukratzen. Mit entschlossenen, kräftigen Spachtelstrichen. Echt, ich finde das total sympathisch.

Vor allem, weil heute ausnahmsweise die Bauarbeiter auf dem Gerüst gegenüber nicht seit viertel nach 7 mit Metallteilen um sich werfen. Wäre ja langweilig.

Ein Klassiker, neu aufgelegt und mit leicht veränderter Bezeichnung, trotzdem voll im Vintage-Trend des frühen 21. Jahrhunderts: Das Eiserne Kreuz ist wieder da, auch wenn es jetzt “Tapferkeitsorden” heißt. Nostalgie bricht aus, Erinnerungen an die guten alten Zeiten.
Bei mir zum Beispiel: An jene wohl definierten, von ehrlicher Arbeit geprägten Tage nach dem ersten Examen, als mein erster Job mich in den Kunsthandel verschlug. Unter die Definition “Kunst” fiel dort, etwas abweichend von dem, was ich in der Uni gelernt hatte, alles, womit sich Geld machen ließ. Kratervasen und altrömische Bronzestatuetten, schön und gut. Das machte sich gut vorne drauf auf dem Katalog und zog ein solventes bürgerliches Publikum an, auch das ein oder andere Museum. Britische Lords mit feinen Seidenbindern im Ergeschoß.

Im ersten Stock dagegen die Münzen, Orden, Militaria. Prunkbänder und Straßsteine aus der russischen Zarenzeit: Wie die Lizenz zum Gelddrucken. Bei den Vorbesichtigungen drückten sich die Agenten der richtig Reichen die Klinken in die Hand, ein Bündel Dollarscheine in der einen, ein Bündel Euroscheine in der anderen Hosentasche, nur für die Spesen versteht sich. St. Petersburg/Fort Myers schrieben sie als Adressangabe in die Bieterlisten, und sie brachten harte scheußliche russische Zuckerbonbons für uns Assistentinnen, Sekretärinnen, Lehrlinge, die aufpassten wie die Schießhunde, damit am Ende keiner der kleinen Bronzetaler fehlte.

Aber das waren natürlich nur die Höhepunkte. An den meisten Tagen war man damit beschäftigt, die Spreu vom Weizen zu trennen: Wertloses Blech oder auktionswürdig? Einmal brachte einer einen Pilotenkoffer voller kleiner Papiersäckchen, es waren Hygienebeutel aus dem King David Hotel in Jerusalem, gefüllt mit den unsortierten Kleingeldresten aus 40 Jahren Israel. Wie viele Währungsreformen kann man zählen, an einem Arbeitstag?

Und oft einmal brachte einer eine alte Keksdose oder auch eine Butterbrottüte voller Eiserner Kreuze. Und was es da für Unterschiede gab. Wenn das Band fehlte, dann war es besonders schwierig. Manches hat man auch schon am Gewicht abschätzen können: Je nachdem, wie es in der flachen Hand lag. Meistens war es aber Schrott und ging in die Schmelze, falls sich das überhaupt gelohnt hat. Von keinem der Helden habe ich jemals etwas erfahren, und schon bald hat es mich nicht mehr interessiert.

Ich habe den Job übrigens genau so lange gemacht, bis ich endlich das wenige Geld nicht mehr gebraucht habe, das sie mir dafür bezahlt haben. Aber ein paar unbezahlbare Erkenntnisse sind doch hängen geblieben.

Heute habe ich so ein Schwammgefühl. Es stellt sich häufig ein, wenn ich lange an einer bestimmten Fragestellung herumdenke, am Text meiner Arbeit feile, jedenfalls eng an meinem Thema bin. So wie die letzten Wochen und Monate eigentlich ständig.
Gestern habe ich den Schreibtisch aufgeräumt, und nichts hält mich davon ab, endlich das Schlussfazit in Angriff zu nehmen.
Außer das Schwammgefühl. Das Schwammgefühl treibt mich in die nächste Buchhandlung und lässt mich stapelweise und ohne Rücksicht auf meine finanziellen Möglichkeiten Bücher kaufen. Die weit weg sind von meinen offiziellen “main fields of Interest”. Alice Schwarzers Biographie über Romy Schneider, Per Olov Enquists Autobiographie und Daniel Kehlmanns “Ruhm” fanden letztes Mal auf diese Weise den Weg hierher und wurden – nein, nicht gelesen, sondern regelrecht aufgesaugt. Daher Schwammgefühl.

Das Schwammgefühl sorgt dafür, dass ich ein guter Prokrastinierer bin, und kein Fachidiot. Positiv ausgedrückt. Negativ ausgedrückt, hindert es mich daran, ein wirklich disziplinierter, focussierter Wissenschaftler zu sein.
Was ist mir lieber?

Ein wichtiger Protagonist meiner wissenschaftlichen Arbeit ist ein kaisertreuer preussischer Privatgelehrter namens F., Jahrgang 1865 und aus bestem Haus. Ich habe große Teile seiner Korrespondenz gelesen, viele davon auf dem Briefpapier diverser kosmopoliter Luxushotels. Ich erkenne seine Ironie (selten), seine Larmoyanz (häufiger), seine Koketterie (häufig), seinen Hochmut (durchgängig) und seine Fixierung auf ein Thema, eine Region, auf die jeweils nächste Publikation, die aus dem Millionenvermögen seiner Industriellenfamilie finanziert wird.

Es ist die Art von Wissenschaft, ohne die es mein Fachgebiet heute wahrscheinlich nicht gäbe, und zugleich doch diejenige, gegen die ich mich wehre. Es gibt noch heute Nachfahren jenes F., im übertragenen Sinne natürlich. Das sind diejenigen, die interessante Projekte dauerhaft in Selbstausbeutung bestreiten können und damit oft tatsächlich das Wissen vermehren, Zeit für kreative Gedanken haben. Und dafür sorgen, dass der Arbeitsmarkt in unserem Bereich eigentlich kein Arbeitsmarkt ist.

Im ersten Weltkrieg hat F. übrigens spioniert, weil er sich in unzugänglichen Gegenden gut auskannte. Auch einige meiner im Turnus der auslaufenden Monats-Projekt-Verträge arbeitslos gemeldeten Kollegen bekommen übrigens heute noch entsprechende Offerten, sofern sie über gute Sprachkenntnisse verfügen.

Eine Wirtschaftskrise hat F. auch erlebt, und danach war er sogar zu einer Art Erwerbstätigkeit gezwungen.
Alles in allem ist es also doch eine recht resistente Branche, die ich mir augesucht habe: Zu tun wird es immer geben, unter welchen Bedingungen auch immer.

Weil es für einen Kommentar bei Herrn Schwaner zu lang geworden wäre:

Auch für mich geht die populistische Wahlkampf-Forderung “Mehr netto vom brutto” am eigentlichen Problem vorbei. Neulich las ich irgendwo, wie viele normale, sozialversicherte Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren sich in Scheinselbständigkeit, Minijobs etc. verwandelt haben.  Ich habe die Zahl verdrängt, weil sie so schwindelnd hoch war, aber das ist doch ein Problem, das man wirklich mal angehen sollte: Leute, die in keiner Arbeitslosenstatistik auftauchen, aber dauerhaft in der Nähe der Armutsgrenze plusminus 200 Euro leben. Danach kann man von mir aus gerne auch die Mittelschicht entlasten, an deren unterem Rand es tatsächlich auch ungemütlich wird.

Was aber diese anscheinend stillschweigend akzeptierten prekären Verhältnisse angeht, so treffen sie aber eben nicht nur die wenig Qualifizierten, “Bildungsfernen”. Auch für 30jährige Akademiker mit hervorragenden Referenzen kann es ganz normal sein, noch nie diese magische Grenze erreicht zu haben, hinter der man dann Steuern zahlen müsste.

Gerade im Bildungs- und Kulturbereich kenne ich inzwischen fast nur noch frustrierte 30jährige, denen gerade im Moment die jahrelang demonstrativ zur Schau gestellte intrinsische Motivation abhanden kommt, weil sie erkennen, dass ihr Beruf eigentlich nur ein teures Hobby ist, das man sich nicht leisten könnte, wenn nicht irgendwo dezent im Hintergrund noch eine solvente Quelle namens “Eltern” oder “Ehepartner” wäre. Oder man ein Doppelleben führt. Selbst promovierte Leute müssen sich am Anfang so ziemlich alles gefallen lassen, und dass man z.B. von einem Volontärsgehalt nicht mehr leben kann, ist seit Jahren bekannt. Ein befreundeter Kunsthistoriker, der als Volontär neulich eine eigene Ausstellung kuratierte, traf eines Abends einige der von ihm betreuten Künstler zufällig in einer Bar. Es war die Bar, in der er dreimal die Woche abends hinterm Tresen steht, neben dem Fulltime-Job, neben der Weiterqualifizierung, ohne die ja sowieso nichts läuft.

Die wenigen (und immer weniger werdenden) lukrativen und etablierten Stellen sind derweil fast durchweg besetzt von Leuten zwischen 40 und 50, die oft nur ungenau unterscheiden zwischen “Volontär” und “Praktikant”, alles die selbe subalterne Suppe, und nach einem, höchstens zwei Jahren sind sie eh wieder verschwunden.

Aber was solls, Kultur ist schließlich nicht systemrelevant. Bestimmt werden bald auch die letzten spärlichen Druckkostenzuschüsse für Dissertationen gestrichen. Hauptsache, wir haben den Quellekatalog.

Natürlich hat meine Familie heute kein solches Haus mehr. Mein Großvater hat den Hof Mitte der 1970er Jahre aufgegeben, Traktor und Dreschmaschine gegen einen Ford Fiesta eingetauscht und einen Rentnerjob im Kurmittelhaus angenommen, um sich nicht zu langweilen. Das war, als zwischen den weichen Rottaler Hügeln überall das Thermalwasser hervorzusprudeln begann, und

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deswegen hat er für den historistischen Vierkanthof, die Pferde, die Schweine und vor allem den Grundbesitz genug Geld erlöst, um zwei Häuser zu kaufen und eines im Neubaugebiet zu bauen. Bungalows mit Panoramafenstern und furnierten Kunststofftüren. Eine glücklose Generation später ist für meine Mutter in einem dieser Häuser eine kleine Mansardenwohnung und ein fleckiges Stück Rasen davor übrig geblieben. Wenn ich sie besuche, komme ich an einen Ort, an dem ich nie zu Hause gewesen bin.

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Ich mag es, wenn wir dann ein wenig über Land fahren, hinüber auf die österreichische Seite des Inns, der noch immer so eine erstaunlich starke Dialektgrenze bildet, oder ein Stück hinein in den Bayerischen Wald. Links und rechts hebt und senkt sich die Landschaft, und die Dächer der alten Höfe legen sich so hinein, als wären sie hier ganz von selbst gewachsen. Die Neubauten, Industriehallen und Outlet-Scheußlichkeiten, die das billige Zwiesler Glas verkaufen, blende ich dann einfach aus, und das Bewusstsein dafür, dass hier wenigstens eine Hälfte meiner Familie seit Generationen gelebt und gearbeitet hat, steckt mir in allen Knochen. Heute sind mein Leben, mein Beruf, mein Selbstverständnis denkbar weit weg von diesem Umfeld.

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Wahrscheinlich, weil es vielen Leuten so geht, gibt es inzwischen sogar schon Museen, wo einige dieser alten Höfe wieder aufgebaut und gepflegt werden, als wäre nichts geschehen. Die Schnellstraße ausgeblendet durch Himbeerhecken, keine Maschinenhalle in Fertigbauweise in Sicht. Hier muß man nicht selbst filtern, jeder Augenblick ein Treffer. Gegenwart und Wirklichkeit, die zwei unerbittlichen Feldkrähen, bleiben jetzt einmal draußen.
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Und jedem Gegenstand sehe ich an, wie gut er in meiner Hand liegen würde, und auf der Bank sehe ich mich sitzen, und ich weiß auch, wie es riecht, wenn das Gras am Morgen geschnitten wurde und danach bis zum Mittag in der Sonne gelegen ist. Erinnerung und Imagination fließen ineinander, und für das, was dabei herauskommt, ist nur schwer ein Wort zu finden. Alle denkbaren Vokabeln sind unbenutzbar geworden und verbrannt, sie gehören den Nazis und den Volksmusikproduzenten. Dabei hat es ohnehin gar nichts mit Nostalgie zu tun, oder mit Sentimentalität. Ich möchte, bei Licht betrachtet, nicht so leben wie meine Urgroßmutter gelebt hat.

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Um die verlorenen Dinge meiner Familie tut es mir leid, aber dass ich mich selbst davon wegbewegt habe, ist nichts, was ich bereuen würde. Ich brauche auch im Grunde den Ort nicht, noch nicht einmal seine Nähe. Es ist mehr eine Gewissheit, die sich hier zwar bestätigt, die aber ohnehin einfach da ist – egal, wo ich bin und noch hingehe. In einer wissenschaftlichen Arbeit würde ich es hilfloserweise wahrscheinlich “Affinität” nennen, unzufrieden mit der unpräzisen Arroganz dieses Wortes.

P6281109Die beste Beschreibung dafür ist vielleicht: Eine Gewissheit, von der man gut ausgehen kann. Wohin auch immer.

Ich habe eine blaue Leinenhose, sie ist eines von den Dingen, an denen Gedanken hängen.

Heute vor einem Jahr war es schwül und heiß, schon seit Tagen, und ich war mehrere Tage lang bis spätabends bei offenem Fenster am Schreibtisch gesessen, um ein wichtiges Projekt vorzubereiten. A. war in Italien und baute etwas auf, und irgendwann rief meine Mutter an und wollte mich besuchen. Es passte mir nicht gut, ich hatte wenig Zeit, ich hatte erst in der Woche zuvor einen langen Abend mit E. verbracht und einer Flasche Wein, und ich hatte E. viel darüber erzählt, was es alles nicht gegeben hatte, als ich jünger war, und was zu viel gewesen war und was davon mit meiner Mutter zu tun hatte. Und nun wollte sie mich besuchen, und ich konnte schlecht nein sagen, es war ihr Ge.burtstag.
Ich holte sie am Bahnhof ab und hatte kein Geschenk, und wir gingen einmal die Fußgängerzone hinunter. Sie war langsam, aber es war ja auch heiß. Im Zerwirk aßen wir einen Algensalat und redeten über Süßigkeiten. Ich hatte gerade einmal wieder die zweieinhalb Kilo abgenommen, die ich mir immer zuviel zu wiegen einbilde, und ich passte gut in die blaue Hose. Am Rückweg hat sie sie mir gekauft, und als sie am Hauptbahnhof zurück ins S-Bahn-Geschoß ging, wandte sie sich noch einmal um und sagte: “Danke für den schönen Tag.” Das war damals kein Satz, mit dem man rechnete, von meiner Mutter.
Am nächsten Tag war die Besprechung meines Projekts, ich saß von morgens bis abends in der Wohnung meines Professors, wir wälzten gemeinsam Bücher, zu Mittag gab es persisches Essen und danach ein Stück schweren dunklen Walnusskuchen. Es ist seltsam, wie genau man manche Dinge behält, und andere vergisst man.
Die Nacht darauf vergaß ich. Als ich am Abend nach Hause kam, rief meine Schwester mich an, denn meine Mutter war ins Krankenhaus gekommen. Knapp vorm Herzinfarkt, hieß es, eventuell. Beobachten, abwarten. Ich solle das Telefon griffbereit behalten. Ich weiß nicht, ob ich geschlafen habe. Ich erinnere mich an den Gedanken: Dass nur bitte das Telefon nicht läuten soll.
Am nächsten Tag ging ich in die Uni und hielt einen Vortrag im Doktorandenkolleg. Das Handy hatte ich ausgeschaltet, und in der Pause schaltete ich es ein. Eine SMS mit dem Wort “Gehirnblutung”, ein Telefonat mit meiner Schwester, auf dem Toilettendeckel im Institut sitzend, und jetzt erst fiel mir auf, dass ich am falschen Ort war.
Dann zwei Stunden Zugfahrt, an die ich mich nicht erinnere, nur an den Moment, als ich ausstieg und meine Schwester anschaute, und dass die Sekunde, bevor sie zu reden anfing, mir lang vorkam.

Als wir sie im Spätsommer nach Hause holten, da stand ich mit der Krankenhaustasche auf der ersten der drei Stufen, die zur Haustür hinaufführen und wartete, bis meine Mutter die Katze fertig gekrault hatte, die sich in der Auffahrt sonnte. Der Nachbar kam vorbei und grüßte, auch schon wieder hier? Ja, sagte ich mit der Hand auf dem warmen Geländer und zeigte auf meine Mutter, die jetzt wieder ihre Hand benutzen kann und sich an alles erinnert, nur Marzipan und Meeresfrüchte mag sie auf einmal nicht mehr.

Am Wochenende besuche ich sie. Ich weiß schon, was ich anziehe.

Gemüseeintopf, heißer Milchreis. Hohe Stiefel, Schal. Klamme Finger beim Milchkaufen und die Schreibtischlampe in Betrieb seit 3 Uhr nachmittags.
(Nur so für die Chronik…).

Seit fast zehn Jahren kenne ich jetzt diese Hochschule, aber heute hat mich die Raumreservierungs-Lotterie an einen Ort geschickt, an dem ich nie und nimmer fünf Seminarräume vermutet hätte.

Immer etwas zu entdecken in der Wissenschaft.

Nach einem sehr arbeitsintensiven Tag träumte ich von einem Obstgeschäft. Es befand sich in dem sehr kleinen Ort, in dem ich aufgewachsen bin, in den Räumlichkeiten, die in Wirklichkeit ein etwas altbackenes Textilgeschäft beherbergen. Meine Großmutter kaufte dort ihre Kittelschürzen.
Nun, im Traum war daraus ein schicker, durchgestylter Obstladen geworden. Alles war bio und basic und smooth, und ich fragte, mich, wer hier wohl einkaufen sollte, zwei Meilen hinter dem Mond. Nun ja, an der Theke stand eine Verkäuferin, die mich davon überzeugen wollte, in meinem Freundeskreis für ihr ausgeklügeltes Rabattkarten-System Werbung zu machen. Dabei sprach sie mich die ganze Zeit an, als ob ich ein Mann wäre. Ich trug eine große Sonnenbrille und ging mit meinem Gesicht ganz nahe an ihres heran, bis sie begriff, dass ich kein Mann bin. Trotzdem blieb ich sehr unfreundlich zu ihr und fühlte mich gut dabei.
In dem Laden einzukaufen war nicht so einfach. Alles war in durchsichtigen Schütten und automatenähnlichen Vitrinen, und immer musste man irgendwelche Riegel bedienen, die sich danach nicht mehr zurückdrehen ließen. In pyramidenartigen Formationen ergossen sich Pistazien, Orangen und kleine runde Avocados auf dem Boden.
Ich wollte einen Grünkohl kaufen, aber alle Kohlköpfe waren so groß, dass ich nicht einmal gewusst hätte, wie ich sie nach Hause tragen sollte.
Später kam auch A. dazu, und wir fuhren durch eine Gebirgslandschaft in einer Art Bus oder Lkw. Auf meinem Schoß saß ein dicker Junge von etwa acht Jahren, den ich zwar nicht kannte, aber A. Der Junge erzählte mir von einer Schulaufgabe, in der er eine Drei bekommen hätte, und A. und ich reichten eine durchsichtige Tüte mit dünnen Crackern zwischen uns hin und her.
Das war das Detail, das A. zum Lachen brachte, als ich ihm heute morgen nach dem Aufwachen davon erzählte.