…. liest man manchmal auf den Schildern von Sonderangeboten. Ansonsten können die allermeisten Waren umgetauscht werden: Regale, Bücher, Kleidung, Elektrogeräte … was die Illusion von schier grenzenloser Flexibilität erzeugt, ein angenehmes Gefühl des -Sich-Nicht-Endgültig-Festlegens. Der Handel bietet diese Möglichkeit, wohl berechnend, daß sie nicht über Gebühr in Anspruch genommen wird, denn jeder Umtausch ist mit gewissen Mühen verbunden, zumindest mit Zeiteinsatz. Und sein Recht auf Umtausch auch in Anspruch zu nehmen, hat oft einen peinlichen Beigeschmack – muß man sich doch möglicherweise vor anderen Kunden Fragen nach dem Grund für das Ansinnen gefallen lassen. Mit dem Widerruf der einmal getroffene Entscheidung setzt man sich leicht dem Vorwurf der Inkohärenz aus.

Auch etymologisch haftet dem Verb „umtauschen“ etwas Zwielichtes an: es klingt nicht umsonst ganz ähnlich wie das verwandte „täuschen“. Der sprichwörtliche „Roßtäuscher“ war eigentlich ein unbescholtener Pferdehändler, erst im Zuge seiner dubiosen Tauschaktionen wurde er zum Betrüger. Eine Sache für eine andere eintauschen – ein ganz archaischer Vorgang, sollte man meinen, bei dem die Pointe aber gerade in der Unsicherheit, der schwierigen Vergleichbarkeit der Tauschwaren liegt, im eventuellen Vorhandensein von Mängeln, die sich erst nach Abwicklung des Tausches herausstellten, und dadurch Gelegenheit zur Täuschung bieten. Die Geschichte vom „Hans im Glück“ ist eigentlich die fortgesetzter Täuschung beim Umtausch.

Sucht man bei den Nachbarsprachen nach Äquivalenten für „Umtausch(en), so gibt es wenig Wahlmöglichkeit: (to) „change“, „cambio“. Und dies begegnet häufig positiv konnotiert: Man denke an „wind of change“, womit ehedem der frühlingshafte Aufbruch im Osten besungen wurde.

Im Deutschen verteilt sich das universale semantische Feld von „change“ auf mehrere kleinere, abgegrenzte Parzellen. Einmal mehr Partikularismus? Auf jeden Fall hört sich „Wind des Umtausches“ seltsam an. Hier ist es nun Zeit für den „Wechsel“. Er ist nicht mehr so eindeutig auf den Austausch von erworbenen Waren beschränkt, wie der Umtausch, der Anklang an „täuschen“ ist auch verschwunden; „Wind des Wechsels“ hätte sogar den Charme der Alliteration. Allerdings wird dem „Wechsel“ und seinen Bildungen nicht jene wohlwollende Neutralität zuteil wie „change“, sondern oft wie dem „Tausch“ ein abermals negativer Beigeschmack: „wechselhaft“ deutet auf ein jeden Augenblick mögliches Kippen der Wetter- oder Gemütslage hin, bei dem man sich auf nichts Sicheres, Festes einstellen kann -die adäquateste Übersetzung für das berühmte„mobile“ bei Rossini wäre „wechselhaft“; statt dessen wurde dem eindeutigeren „trügerisch“ der Vorzug gegeben – „öfter als die Schuhe die Länder wechselnd“- so beschreibt Brecht das unstete Emigrantendasein. Und war nicht der „Wechsel“ ursprünglich ein Schuldschein, dessen Deckung unsicher ist, ein Tauschverfahren? Und wer hat sich nicht über die volatilen Wechselkurse von Devisen geärgert? Dem „Wechseln“ haftete etwas Unberechenbares, aber auch Radikales an. Das geht bis ins Ideelle: „I changed my mind“ „ho cambiato idea“, „I changed my live“ – in allen Fällen wäre „wechseln“ als unpassend hart fehl am Platz. Man kann den Beruf, die Stadt, das Land wechseln, aber das Leben?

Gegenüber dem warenmäßig-technischen, potentiell trügerischem „Umtausch“ und dem unsicher-radikalen „Wechsel“ wird im Deutschen in vielen Fällen der eher organisch imaginierten “(Ver)änderung“ der Vorzug gegeben. Wie heißt es am Schluß von Rilkes „Torso“?

„Du mußt dein Leben ändern.“

 

A.C.