Ein wichtiger Protagonist meiner wissenschaftlichen Arbeit ist ein kaisertreuer preussischer Privatgelehrter namens F., Jahrgang 1865 und aus bestem Haus. Ich habe große Teile seiner Korrespondenz gelesen, viele davon auf dem Briefpapier diverser kosmopoliter Luxushotels. Ich erkenne seine Ironie (selten), seine Larmoyanz (häufiger), seine Koketterie (häufig), seinen Hochmut (durchgängig) und seine Fixierung auf ein Thema, eine Region, auf die jeweils nächste Publikation, die aus dem Millionenvermögen seiner Industriellenfamilie finanziert wird.
Es ist die Art von Wissenschaft, ohne die es mein Fachgebiet heute wahrscheinlich nicht gäbe, und zugleich doch diejenige, gegen die ich mich wehre. Es gibt noch heute Nachfahren jenes F., im übertragenen Sinne natürlich. Das sind diejenigen, die interessante Projekte dauerhaft in Selbstausbeutung bestreiten können und damit oft tatsächlich das Wissen vermehren, Zeit für kreative Gedanken haben. Und dafür sorgen, dass der Arbeitsmarkt in unserem Bereich eigentlich kein Arbeitsmarkt ist.
Im ersten Weltkrieg hat F. übrigens spioniert, weil er sich in unzugänglichen Gegenden gut auskannte. Auch einige meiner im Turnus der auslaufenden Monats-Projekt-Verträge arbeitslos gemeldeten Kollegen bekommen übrigens heute noch entsprechende Offerten, sofern sie über gute Sprachkenntnisse verfügen.
Eine Wirtschaftskrise hat F. auch erlebt, und danach war er sogar zu einer Art Erwerbstätigkeit gezwungen.
Alles in allem ist es also doch eine recht resistente Branche, die ich mir augesucht habe: Zu tun wird es immer geben, unter welchen Bedingungen auch immer.

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