Ein Klassiker, neu aufgelegt und mit leicht veränderter Bezeichnung, trotzdem voll im Vintage-Trend des frühen 21. Jahrhunderts: Das Eiserne Kreuz ist wieder da, auch wenn es jetzt „Tapferkeitsorden“ heißt. Nostalgie bricht aus, Erinnerungen an die guten alten Zeiten.
Bei mir zum Beispiel: An jene wohl definierten, von ehrlicher Arbeit geprägten Tage nach dem ersten Examen, als mein erster Job mich in den Kunsthandel verschlug. Unter die Definition „Kunst“ fiel dort, etwas abweichend von dem, was ich in der Uni gelernt hatte, alles, womit sich Geld machen ließ. Kratervasen und altrömische Bronzestatuetten, schön und gut. Das machte sich gut vorne drauf auf dem Katalog und zog ein solventes bürgerliches Publikum an, auch das ein oder andere Museum. Britische Lords mit feinen Seidenbindern im Ergeschoß.

Im ersten Stock dagegen die Münzen, Orden, Militaria. Prunkbänder und Straßsteine aus der russischen Zarenzeit: Wie die Lizenz zum Gelddrucken. Bei den Vorbesichtigungen drückten sich die Agenten der richtig Reichen die Klinken in die Hand, ein Bündel Dollarscheine in der einen, ein Bündel Euroscheine in der anderen Hosentasche, nur für die Spesen versteht sich. St. Petersburg/Fort Myers schrieben sie als Adressangabe in die Bieterlisten, und sie brachten harte scheußliche russische Zuckerbonbons für uns Assistentinnen, Sekretärinnen, Lehrlinge, die aufpassten wie die Schießhunde, damit am Ende keiner der kleinen Bronzetaler fehlte.

Aber das waren natürlich nur die Höhepunkte. An den meisten Tagen war man damit beschäftigt, die Spreu vom Weizen zu trennen: Wertloses Blech oder auktionswürdig? Einmal brachte einer einen Pilotenkoffer voller kleiner Papiersäckchen, es waren Hygienebeutel aus dem King David Hotel in Jerusalem, gefüllt mit den unsortierten Kleingeldresten aus 40 Jahren Israel. Wie viele Währungsreformen kann man zählen, an einem Arbeitstag?

Und oft einmal brachte einer eine alte Keksdose oder auch eine Butterbrottüte voller Eiserner Kreuze. Und was es da für Unterschiede gab. Wenn das Band fehlte, dann war es besonders schwierig. Manches hat man auch schon am Gewicht abschätzen können: Je nachdem, wie es in der flachen Hand lag. Meistens war es aber Schrott und ging in die Schmelze, falls sich das überhaupt gelohnt hat. Von keinem der Helden habe ich jemals etwas erfahren, und schon bald hat es mich nicht mehr interessiert.

Ich habe den Job übrigens genau so lange gemacht, bis ich endlich das wenige Geld nicht mehr gebraucht habe, das sie mir dafür bezahlt haben. Aber ein paar unbezahlbare Erkenntnisse sind doch hängen geblieben.