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Ich mag das: Dinge besichtigen. Ich hab den richtigen Beruf.

Die Natur ist aber auch ganz schön.

Heute wieder einmal Dogma Food.
Gemüse fast wie aus dem eigenen Garten (bisschen Phantasie, na, geht doch), und die Köchin hat das blaue Kleid an, das nur an ganz heißen Tagen einmal herausgeholt wird.
v.l.n.r.: gelbe Linsen, Fenchel, Knollensellerie, Karotte, Zucchini, Stangensellerie. Außerdem Pfeffer, süßer Paprika, Kümmel, Tomatenmark. Und das Salz natürlich ganz zum Schluss, wenn’s schon weich ist.






Das ist drin: Quark, Rapsöl, Eier, Vollkornbrösel, Mehl, Speisestärke, Zucker Vanillezucker (richtiger), Weinstein-Backpulver, Milch, Kakaopulver (entölt), Caotina.
Edit: Ach so, und Kirschen natürlich, aus dem Glas. Sieht man ja.
Weniger Kunst, weniger Menschen, weniger Interferenzen. Runder als die zuvor und die anderen zwei zuvor.

Absolut empfehlenswert. Nur den Shuttle zum Arsenale Novissimo kann man sich sparen, und stattdessen lieber zur Scuola Grande della Misericordia gehen.

Venedig schafft es immer noch, eine Umdrehung zuzulegen: Mehr Kommerz, größere Transparente, höhere Vaporettopreise. Die großen Kreuzfahrtschiffe durchqueren den Guidecca-Kanal inzwischen praktisch im Zweistundenturnus und zerwühlen die Fundamente der Stadt.

Kein Wunder also, dass die halbe Piazzetta, die Marciana und zum Kummer aller Japaner auch die Seufzerbrücke fast vollständig eingerüstet sind, weil wieder einmal alles rissig wird. Und während man vor einigen Jahren noch dekorative Canaletto-Ansichten der jeweiligen Orte oder zumindest gut gemachte Architekturprospekte vorblendete, damit das Weichbild der Stadt auch von der Lagune aus intakt blieb, ist man heute wieder zur hemmungslosen Vermarktung zurückgekehrt. Die Gruppe dort unten zum Beispiel schaut auf einen großen Kran und das bunte Werbeplakat einer teuren Uhrenfirma.

Aber, wie der Reisebegleiter sagte, als wir im Glockengeschoß des Campanile standen, die Souvenirbude und das Touristenrudel im Rücken, und hinunterschauten: Alle kulturkritischen Anmerkungen werden jetzt einfach hintangestellt.

Und dann geht es auch. Letzten Endes alles eine Frage der Perspektive.
É gia un po’ di ferragosto in città, sage ich zu dem dicken Rezeptionisten in Vicenza.

Ma no, winkt er ab, während er auf seinem cellulare herumtippt, Vicenza é sempre cosí.

Die Kirchen sind ohne Bilder, dafür erklärt die Pinacoteca dem Besucher in Blindenschrift, was die drittklassige Schöne auf dem schwer gefirnissten Stilleben mit den Trauben macht, und ein einsamer Memling steht verkannt in einem Durchgang.

Die Mücken sind böse, der Abend kommt früh, aber die Steigung ist leicht zu nehmen und die Nacht: lau.

Hier bin ich ein Jahr älter geworden.
Mir hat’s gefallen.
Natürlich hat meine Familie heute kein solches Haus mehr. Mein Großvater hat den Hof Mitte der 1970er Jahre aufgegeben, Traktor und Dreschmaschine gegen einen Ford Fiesta eingetauscht und einen Rentnerjob im Kurmittelhaus angenommen, um sich nicht zu langweilen. Das war, als zwischen den weichen Rottaler Hügeln überall das Thermalwasser hervorzusprudeln begann, und

deswegen hat er für den historistischen Vierkanthof, die Pferde, die Schweine und vor allem den Grundbesitz genug Geld erlöst, um zwei Häuser zu kaufen und eines im Neubaugebiet zu bauen. Bungalows mit Panoramafenstern und furnierten Kunststofftüren. Eine glücklose Generation später ist für meine Mutter in einem dieser Häuser eine kleine Mansardenwohnung und ein fleckiges Stück Rasen davor übrig geblieben. Wenn ich sie besuche, komme ich an einen Ort, an dem ich nie zu Hause gewesen bin.

Ich mag es, wenn wir dann ein wenig über Land fahren, hinüber auf die österreichische Seite des Inns, der noch immer so eine erstaunlich starke Dialektgrenze bildet, oder ein Stück hinein in den Bayerischen Wald. Links und rechts hebt und senkt sich die Landschaft, und die Dächer der alten Höfe legen sich so hinein, als wären sie hier ganz von selbst gewachsen. Die Neubauten, Industriehallen und Outlet-Scheußlichkeiten, die das billige Zwiesler Glas verkaufen, blende ich dann einfach aus, und das Bewusstsein dafür, dass hier wenigstens eine Hälfte meiner Familie seit Generationen gelebt und gearbeitet hat, steckt mir in allen Knochen. Heute sind mein Leben, mein Beruf, mein Selbstverständnis denkbar weit weg von diesem Umfeld.

Wahrscheinlich, weil es vielen Leuten so geht, gibt es inzwischen sogar schon Museen, wo einige dieser alten Höfe wieder aufgebaut und gepflegt werden, als wäre nichts geschehen. Die Schnellstraße ausgeblendet durch Himbeerhecken, keine Maschinenhalle in Fertigbauweise in Sicht. Hier muß man nicht selbst filtern, jeder Augenblick ein Treffer. Gegenwart und Wirklichkeit, die zwei unerbittlichen Feldkrähen, bleiben jetzt einmal draußen.

Und jedem Gegenstand sehe ich an, wie gut er in meiner Hand liegen würde, und auf der Bank sehe ich mich sitzen, und ich weiß auch, wie es riecht, wenn das Gras am Morgen geschnitten wurde und danach bis zum Mittag in der Sonne gelegen ist. Erinnerung und Imagination fließen ineinander, und für das, was dabei herauskommt, ist nur schwer ein Wort zu finden. Alle denkbaren Vokabeln sind unbenutzbar geworden und verbrannt, sie gehören den Nazis und den Volksmusikproduzenten. Dabei hat es ohnehin gar nichts mit Nostalgie zu tun, oder mit Sentimentalität. Ich möchte, bei Licht betrachtet, nicht so leben wie meine Urgroßmutter gelebt hat.

Um die verlorenen Dinge meiner Familie tut es mir leid, aber dass ich mich selbst davon wegbewegt habe, ist nichts, was ich bereuen würde. Ich brauche auch im Grunde den Ort nicht, noch nicht einmal seine Nähe. Es ist mehr eine Gewissheit, die sich hier zwar bestätigt, die aber ohnehin einfach da ist – egal, wo ich bin und noch hingehe. In einer wissenschaftlichen Arbeit würde ich es hilfloserweise wahrscheinlich „Affinität“ nennen, unzufrieden mit der unpräzisen Arroganz dieses Wortes.
Die beste Beschreibung dafür ist vielleicht: Eine Gewissheit, von der man gut ausgehen kann. Wohin auch immer.

So hat Frau Ansku heute dafür gesorgt, dass meine Tasse diesmal mindestens halb voll ist. Und dann noch so bunt…


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