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Ja, wenn die natürlich die Wandvertäfelung kaputtmachen, das geht natürlich gar nicht.
Kleine Stilblüte vom Arbeitsmarkt für junge Geisteswissenschaftler:
„Erwünscht sind Kenntnisse der Text Encoding Initiative (TEI) und in XSLT. Von Vorteil wäre die Vertrautheit mit den literarischen und wissenschaftlichen Entwicklungen im deutschsprachigen Raum des 17. und 18. Jahrhunderts.
Die Stelle ist vorerst auf 8 Monate befristet. Eine Verlängerung um weitere 3 Jahre ist vorbehaltlich der Anschlussfinanzierung vorgesehen. Die Vergütung erfolgt nach Bat IIa/Ost. Der Arbeitsort ist Berlin.“
es rührt sich was.
Hoffentlich ein bisschen überlegter als im Sommer.
So gut wie nie lese ich die Süddeutsche Zeitung in der gedruckten Ausgabe, in der auch die Todesanzeigen stehen. Praktisch nur dann, wenn sie gerade in einem Café ausliegt, wo ich auf jemanden warte, der sich vielleicht ein wenig verspätet.
So wie heute, in diesem Café gegenüber dem Historicum, in das ich eigentlich selten gehe, in dem ich aber vor etwa 7 oder 8 Jahren einmal als Studentin im Grundstudium saß, weil eine Geschichtsdozentin ihren Kurs dahin eingeladen hatte, um die Leute ein wenig besser kennen zu lernen. Ich habe mich damals nur ganz selten etwas sagen getraut, die Uni war noch sehr Neuland für mich, aber speziell diese Dozentin hatte eine Art, einen ins Gespräch zu bringen – im Seminar und auch in der Caféhausrunde. Es drehte sich um den Sinn geisteswissenschaftlicher Studien, unter anderem, und sie strahlte einen Idealismus aus, der zugleich völlig bodenständig und unverbohrt war. Ich erinnere mich auch an ihren langen, nach unten immer dünner werdenden grauen Zopf, den sie energisch über die Schulter werfen konnte, an ihre unangepasste und trotzdem weit von jedem Hippie-Klischee entfernte Kleidung, und an ihren von sachtem Dialekt gefärbten Tonfall.
Am Dienstag ist sie gestorben, sie wurde 53 Jahre alt. Ich habe es zufällig gelesen, heute, in diesem, von mir selten besuchten Café, während ich auf zwei Kolleginnen wartete, mit denen ich danach lang und seufzend über die Arbeitsbedingungen im Mittelbau oder darunter redete, wie immer.
Ach so, na dann, alles halb so schlimm.
Was bin ich froh, dass wir alle so cool und smooth sind.
Das gehört vielleicht auch in die von Frau Ansku so originell bestückte Rubrik Unnützes Wissen, aber manchmal ist es schon merkwürdig, wie sich plötzlich zwei ganz unterschiedliche historische Perspektiven zusammenschieben und Dinge, die man eigentlich, getrennt an unterschiedlichen Orten des Gedächtnisses schon immer irgendwie wußte, an einem tatsächlichen Ort zusammenfallen:
Zum Beispiel, dass das Hotel Beau Rivage in Genf Schauplatz des Todes von Uwe Barschel und außerdem auch von Kaiserin Elisabeth von Österreich war.
Ich mag das: Dinge besichtigen. Ich hab den richtigen Beruf.

Die Natur ist aber auch ganz schön.


Venedig schafft es immer noch, eine Umdrehung zuzulegen: Mehr Kommerz, größere Transparente, höhere Vaporettopreise. Die großen Kreuzfahrtschiffe durchqueren den Guidecca-Kanal inzwischen praktisch im Zweistundenturnus und zerwühlen die Fundamente der Stadt.

Kein Wunder also, dass die halbe Piazzetta, die Marciana und zum Kummer aller Japaner auch die Seufzerbrücke fast vollständig eingerüstet sind, weil wieder einmal alles rissig wird. Und während man vor einigen Jahren noch dekorative Canaletto-Ansichten der jeweiligen Orte oder zumindest gut gemachte Architekturprospekte vorblendete, damit das Weichbild der Stadt auch von der Lagune aus intakt blieb, ist man heute wieder zur hemmungslosen Vermarktung zurückgekehrt. Die Gruppe dort unten zum Beispiel schaut auf einen großen Kran und das bunte Werbeplakat einer teuren Uhrenfirma.

Aber, wie der Reisebegleiter sagte, als wir im Glockengeschoß des Campanile standen, die Souvenirbude und das Touristenrudel im Rücken, und hinunterschauten: Alle kulturkritischen Anmerkungen werden jetzt einfach hintangestellt.

Und dann geht es auch. Letzten Endes alles eine Frage der Perspektive.
